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Jetzt oder nie? Zeitgefühl mit ADHS / Autismus #37

Inhaltsverzeichnis

Zeitgefühl ist für jeden Menschen individuell. Dennoch zeigen Studien, dass das Zeitgefühl bei Menschen mit ADHS anders ist. Für mich gibt es nur zwei zeitliche Zustände: Jetzt oder nicht jetzt. Warten ist für mich eine große Herausforderung und im Einschätzen von Zeiträumen bin ich auch nicht so gut. In dieser Podcast Folge geht es um die Herausforderungen von Zeit bei ADHS oder Autismus und wie man sich im Alltag helfen kann.

Angesprochene Links / Tools:

„Forest“ App (visuelle Unterstützung der Zeitwahrnehmung und gleichzeitig kann man das Handy nicht nutzen)

Visueller Wecker (z. B. https://www.amazon.de/InfPokid-Visueller-Pausenfunktion-Schreibtischstudie-Zeitmanagement/dp/B0F58YXBR3 unbezahlte Werbung)

Zur Podcast Folge

Dieser Beitrag gehört zur Podcast-Folge #37, wenn dich das Thema interessiert, hör dir gern die Folge an.

Transkript der Folge

Das Transkript der Folge wurde automatisch erstellt und kann daher Fehler enthalten.

Hallo und willkommen zu einer neuen Folge vom Neurodino Podcast. In dieser Folge geht es um Zeitgefühl und ich finde das Thema sehr sehr spannend, weil für mich früher Zeitgefühl gar nicht so präsent war. Also ich habe mir nicht so viele Gedanken darüber gemacht, ich ein gutes oder ein schlechtes Zeitgefühl habe. Aber seit den Diagnosen sind mir einfach Dinge aufgefallen im Bezug zum Zeitgefühl, die ich super spannend finde.

Wenn man über Planungen redet, über Alltag, Zeit generell, Stress, da spielt das Zeitgefühl natürlich irgendwie immer eine in der Vorbereitung auf diese Folge habe ich darüber nachgedacht, dass Zeitgefühl ja irgendwie erst relevant wahrscheinlich geworden ist, seit es Uhren gibt. Also wenn wir jetzt von ganz, ganz, ganz früher ausgehen.

Da hat man sich so bisschen nach der Sonne orientiert,

Ja, wahrscheinlich gab’s so Einordnungen wie Vormittag, Mittag, Nachmittag, Abend, Nacht.

Aber ob du jetzt um 21 Uhr oder um 22 Uhr ins Bett gegangen bist, das konntest du damals ja gar nicht so richtig nachempfinden. Das konnte man ja nicht so wirklich timen und takten. Von daher, glaube ich, ist es ein Ding, was sich eher so entwickelt hat mit der Menschheit. Und ich meine, wir haben ja jetzt schon relativ lange Uhren und ich denke auch mit einer digitaleren Welt.

wird alles irgendwie bisschen schneller und da wird Zeitgefühl und Zeit generell einfach immer wichtiger.

Wenn ich über Zeit nachdenke, ist es eigentlich relativ simpel, muss ich sagen. Es gibt so zwei Zustände. Und zwar ist das eine jetzt und das andere ist nicht jetzt. Also, sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft, das ist nicht jetzt. Und jetzt ist gerade, ich spreche. Also, ja, eigentlich simpel. Die Folge könnte jetzt enden, aber das tut sie natürlich nicht.

Weil es Studien gibt. Es gibt Studien darüber, wie Zeit subjektiv vergeht, was für Zeitgefühl man hat, wie das zum Beispiel bei Kindern mit ADHS-Diagnosen

Es gab also so Versuche, wobei Versuche auch irgendwie… Also es wurde einfach ein bisschen mit Kindern und deren Zeit gefügt, Hest und Versuche klingt in dem Zusammenhang ganz merkwürdig.

Und denen wurde ein Zeitraum gegeben. Und die sollten dann sagen, wie lange das war. Einfach so eine Einschätzung. Und die meisten Kinder mit ADHS haben mehr geschätzt, als tatsächlich war. Es waren zehn Sekunden. Und die haben einfach länger eingeschätzt, als es wirklich dann war. Die haben zum Beispiel 20 Sekunden gesagt. Und das war bei neurotypischen Kindern nicht der Fall. Und das fand ich schon sehr spannend. Und dann gab’s eben noch den Gegenversuch, sag ich mal.

und die sollten 10 Sekunden lang warten und dann sagen, dass 10 Sekunden um sind. Und ich bin ehrlich, das hat mich nicht schockiert. Bei den Kindern mit ADHS, haben sehr viel schneller gesagt, dass die Zeit schon wäre, als sie eigentlich ist.

Und deshalb habe ich mir jetzt gedacht, wir machen das einfach mal zusammen als Selbstexperiment. Als Disclaimer, das ist natürlich jetzt hier kein wissenschaftlicher Versuchsaufbau. Nicht repräsentativ.

und sollte auch eigentlich nur für die eigene Zeitwahrnehmung und vielleicht ein bisschen… für den Spaß gemacht werden. Ich habe keinen wissenschaftlichen Anspruch hier gerade damit. Aber ich lade jetzt einfach mal ein, dass wir alle, egal was wir gerade hier tun, zehn Sekunden abschätzen. Ähm… Ich werde tatsächlich nichts sagen in zehn Sekunden. Und die Augen zumachen.

Und wenn ich denke, dass 10 Sekunden vorbei sind, die Augen wieder aufmachen und wahrscheinlich sehen, dass es noch nicht 10 Sekunden waren. Aber vielleicht hat der ein oder andere Lust, das einfach mal mitzumachen.

10 Sekunden Ruhe starten ab jetzt.

Das waren 10 Sekunden und das kommt mir wirklich viel, viel länger vor. Also, das ist verrückt. Ich hab das im Vorfeld nicht ausgetestet vorher. Aber es ist verrückt. Also wenn sich jetzt jemand gewundert hat innerhalb von diesen 10 Sekunden, warum sagt sie nichts? Das müssten 10 Sekunden gewesen sein. Warum sagt die einfach nichts mehr? Ja, willkommen im Club.

Es gibt also Studien, die belegen anhand von solchen Tests und anderen Arbeiten, dass Zeit subjektiv irgendwie schneller vergeht, wenn man ADHS hat.

Und je mehr ich über Zeit und Zeitgefühl nachgedacht habe, desto mehr habe ich gedacht, das ist ja auch irgendwie ein weirdes Konzept. Also wir sprechen von so einer inneren Uhr, die jeder irgendwie hat. Es gibt so Biorhythmen, die auch individuell sind. Und all das ist um schon individuell. Und trotzdem haben wir aber auch so einen gesellschaftlichen Rhythmus. Also mit dem Sonnenaufgang zum Beispiel. Oder?

Je nach Jahreszeit nicht unbedingt mit dem Sonnenaufgang. Aber so 9 to 5 klassische Arbeitszeiten. Klassische Zeiten, wo die meisten Menschen irgendwie wach sind.

Und dennoch ist die Wahrnehmung von Zeit mit ADHS oder Autismus irgendwie anders. Die kann abweichen, die kann sich anders anfühlen und da fragt man sich vielleicht, okay, aber warum ist das jetzt so?

Hat natürlich verschiedene Gründe, aber zum Beispiel ist Dopamin ein Faktor, der Zeitwahrnehmung irgendwie beeinflusst, der natürlich auch in Form von Belohnungen Sachen reguliert oder disreguliert, wenn man ADHS hat.

Und dann gibt es auch noch Forschung vom Gehirn selber, dass der präfrontale Cortex, wo Planungen, Zeitmanagement, Priorisierung passiert.

dieser Bereich bei ADHS oftmals eher reduziert

Es gibt andere Hirnareale, die stärker aktiviert sind, wo mehr passiert, wo die Durchblutung auch stärker ist, als da in diesem Bereich. Das ist ja auch eine spannende Geschichte. heißt aber nicht, dass bei jedem Menschen mit ADHS jetzt Zeitmanagement ein Problem ist oder Planungen ein Problem ist. Das ist halt trotzdem noch Und es ging jetzt schon viel ADHS, aber auch beim Autismus kann die innere Uhr irgendwie

aus dem Gleichgewicht kommen oder aus dem Gleichgewicht sein, weil das Gehirn bei Autismus häufig nach Mustern sucht, nach Strukturen sucht und unvorhergesehene Dinge oder neue Zeitabläufe dann Stress auslösen. Also wenn man zum Beispiel jeden Tag denselben Tagesablauf hat und einen Tag dann nicht mehr, dann kann dieses Zeitgefühl ganz anders sein.

kennt vielleicht auch der eine oder andere, dass man irgendwie so einen Tag hat, wo man auf die Uhr guckt und denkt, boah, irgendwie habe ich das Gefühl, es müsste schon drei Stunden später sein. Oder man guckt auf die Uhr und denkt, Gott, wo ist die Zeit hin? Und in meinem Fall ist es meistens, wenn der Tagesablauf ganz anders ist als sonst.

mich ein gebranntes Beispiel meiner Hochzeit, wo der Tag so schnell vorbei ging. Und auch die letzten Tage vor der Hochzeit, die Tage danach. Dass so viel passiert, dass das wie in einem Flug an mir vorbeigezogen ist.

Und andere Tage, die vielleicht viel weniger actionreich sind, die vielleicht einfach einen normalen Tagesablauf für mich haben, die haben eben nicht dieses Gefühl von die Zeit verfliegt, sondern da fühle ich mich ganz normal mit meiner inneren im Einklang, wenn man das so sagen kann.

Und was ich an dieser Stelle auch noch sagen möchte, das kann ich in der Selbstwahrnehmung jetzt gerade nicht so gut einschätzen, aber es gibt auch Studien, die zeigen, dass diese Probleme mit der Zeitwahrnehmung, Zeitgefühl, sowohl Kinder als auch Erwachsene mit ADHS betreffen, aber dass sich das mit Medikamenten normalisiert.

Ich glaube, ist halt bei mir jetzt schon etwas her, dass ich das letzte Mal in die Wanze genommen habe. Aber ich meine, dass für mich … gerade … Änderungen im Zeitplan einfach nicht so ein großes Problem waren. Und … das würde ja schon helfen. ich glaube, dass die Medikamente halt so viele Auswirkungen haben auf …

den ganzen Körper, das ganze System, den ganzen Tag, dass das für mich bestimmt möglich ist, dass das Zeitgefühl da auch verbessert wurde zum Beispiel.

Und für den Moment bleiben wir einfach mal bei ADHS, weil ich hab versucht, das Ganze so ein bisschen einzuordnen für diese Folge. Was sehe ich eher auf der ADHS Seite, was sehe eher auf der Autismus Seite in Bezug auf das Zeitgefühl und auf Zeit. Es ist auch individuell und ich glaube auch, dass man ja verschiedene Meinungen ehrlich gesagt haben kann. Gerade durch die Kombination, die sich ja verdeckt, verstärkt und so weiter ist es mit

Autismus und ADHS halt irgendwie etwas wirre.

Aber bei ADHS und Zeit denken glaube ich sehr viele Leute direkt so an Zeitblindheit. Und das kenne ich von mir auch. Also zum Beispiel, dass ich nicht unbedingt weiß, wie lange Dinge eigentlich dauern. Also ich kann das schlecht einschätzen im Vorhinein. Es kann sein, dass ich das Gefühl habe, eine Aufgabe dauert bestimmt 30 Minuten und dann bin ich nach 5 Minuten fertig. Genauso ist es aber auch, wenn ich gerade an etwas arbeite, vergesse ich auch so ein bisschen die Zeit.

und weiß dann auch gar nicht, bin ich jetzt schon eine Stunde an dieser Aufgabe, ist es 10 Minuten, ich kann das einfach von mir aus noch nicht so gut einschätzen. Vor allem wenn das nicht regelmäßige Aufgaben sind. Also je öfter ich Aufgaben mache, desto besser funktioniert das auch. Und je mehr ich mich damit befasse natürlich auch, ja dann kann ich das besser einschätzen.

Was ich aber auch merke ist, dass für mich Erinnerungen irgendwie diffus sind. Also ich kann nicht so gut einordnen, ob jetzt etwas genau fünf Jahre her ist oder drei Jahre her ist oder ein paar Monate her ist. Für mich gibt es so in meinem Leben ein paar Ankerpunkte, wo ich das dann grob einordnen kann. Zum Beispiel als ich meinen Mann kennengelernt habe, als ich angefangen habe zu studieren. Je nachdem wo ich gewohnt habe.

Das funktioniert dann schon ganz gut, aber innerhalb von diesen, ich sag mal, Zeitabständen kann ich es dann nicht mehr so gut einordnen. Ich meine, das ist auch selten jetzt genau relevant, wann etwas war.

Aber das ist trotzdem irgendwie merkwürdig. Ich wüsste zum Beispiel nicht, wann ich das letzte Mal mit einer Freundin geschrieben habe. Kann ich natürlich nachgucken. Das ist jetzt nicht so das Problem.

Aber es ist schon irgendwie merkwürdig, wenn man seinen Erinnerungen nicht so ganz vertrauen kann, weil ich auch oft Dinge natürlich vergesse, die passiert sind. Und dann, wenn ich daran erinnert werde, okay, das ist aber passiert und mein Kopf sagt mir, aber ja, ich weiß es nicht mehr, dann ist es natürlich schon ein bisschen komisch.

Für mich habe ich aber herausgefunden, dass ich so mit Challenges sehr gut arbeiten kann. Also wenn ich mir die Frage stelle, wie viel schaffe ich jetzt in 10 Minuten? Ein gutes Beispiel ist immer, wenn die Heißluftfritteuse läuft mit Kroketten oder sowas, dann sind es so 10-12 Minuten und meistens denke ich mir dann, ob ich wohl in der Zeit jetzt die ganze Küche aufräumen kann. Also die ganze Küche in Anführungsstrichen ist es natürlich meistens.

einfach nur irgendwie Sachen wegräumen oder so was, die Spülmaschine ausräumen oder einräumen. Und oft ist es so, dass ich sehr viel mehr in diesen Zeiträumen schaffe, als ich denke.

Und dieser Zeitrahmen hilft mir dann aber, mich zu challangen. Und dann einfach sehr viel zu erledigen in der Zeit.

Und ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass wenn mich Dinge interessieren, dass die Zeit dann natürlich sehr schnell vergeht. Und ich glaube, das ist was, was jeder kennt. Wenn man sich mit Dingen beschäftigt, die einem Spaß machen, dann vergeht die Zeit einfach schneller.

Ich habe das Gefühl, die Zeit fliegt an mir vorbei wie ein Wimpernschlag und es sind vier Stunden um So ungefähr. Und das ist natürlich im Hyperfokus ein Thema. Aber auch wenn ich nicht in so einem Hyperfokus bin und mich mit Dingen beschäftige, die ich einfach mag, die mir Spaß machen, dann vergeht die Zeit extrem schnell.

Und das Gegenteil von Hyperfokus und Dingen, ganz schnell vorbeigehen, ist natürlich irgendwie Prokrastination und Aufgaben, die man nicht machen will, nicht machen kann.

Ich habe gemerkt, gerade in meinem Studium bei Fächern, wo ich wirklich das Gefühl habe, ich habe überhaupt keinen Kontaktpunkt damit. Ich weiß auch nicht, warum ich das jetzt gerade lernen muss. Dass vielleicht auch nicht so Dozenten, mit denen ich gut klarkomme. Da hilft dann natürlich Zeitstress sehr, eine Aufgabe zu machen. Also Druck, externe Deadlines.

sind in vielen Fällen für Menschen mit ADHS eine große Motivation und da funktioniert das dann sehr gut, die Dinge einfach zu erledigen. Und ich kriege halt auch immer mit, dass Zeitpläne eher so diffus sind, dass man schwer einschätzen kann, wie lange Dinge eben dauern und dann auch jetzt nicht nur so auf alltägliche Aufgaben bezogen, aber wie lange brauche ich denn bei einer Bachelorarbeit, um ein Exposé zu schreiben? Ja, keine Ahnung, glaube ich.

halt erst einmal gemacht, wüsste ich jetzt

Ich finde das okay. glaube, dass ich also was Zeitpläne angeht, ganz gut klar komme. Ich mache sehr gerne Zeitpläne, ich plane sehr gerne. Und ich plane immer mit Puffer und ich plane immer so, dass ich regelmäßig kontrolliere, wie weit ich bin und dass ich einen Überblick habe, ob ich gerade hinter der Zeit bin, vor der Zeit bin, also vor der Planungszeit. Und dadurch…

funktioniert es, weil ich kann dann immer wieder flexibel den Plan anpassen.

Das hat zum Beispiel für meine Bachelorarbeit echt gut funktioniert. Also am Ende gab es eine Sache, die ich nicht mehr umgesetzt habe aus Zeitgründen. Aber andere Sachen habe ich noch zusätzlich gemacht, weil dafür noch Zeit war. Also die eine Sache, die ich nicht gemacht habe, war relativ umfangreich. Die habe ich dann nicht mehr gemacht und dafür geguckt, was könnte ich jetzt noch zusätzlich für Dinge einbauen, die vielleicht hilfreich sind.

Und ich glaube, ich hab sogar zu früh abgegeben. Ich bin mir grad gar nicht mehr sicher. Aber ich meine, ich hab einen Tag vor der Deadline abgegeben, weil ich gesagt hab, ich möchte das jetzt nicht mehr länger Ja, Zeitpläne sind immer ein Thema, glaub ich, für Menschen mit ADHS, weil die … insgesamt ein Problem sein können.

Ein Teil des Problems ist, glaube ich, Priorisieren. Also ich finde Priorisieren auch schwierig. Priorisieren läuft für mich nicht automatisch. Ich muss mir quasi überlegen, ist diese Aufgabe gerade wichtig, ist die andere wichtiger, dann kann ich Priorisieren. Ich kann also quasi so gegeneinander abwägen, Aufgaben. Und da gibt es ja auch super viele Tools, die man nutzen kann, im Alltag zu Priorisieren. Aber es braucht halt quasi eine

eine Handlung des

Und gerade bei langen Projekten ist es glaube ich ein Problem, dass sie sich nicht fertig anfühlen. Also fertig ist ein doofes Wort dafür. Aber wir wollen ja eigentlich Dopaminen und wenn wir eine Aufgabe erledigen von einem riesigen Projekt wie zum Beispiel der Bachelorarbeit, dann fühlt sich das Füllmoment einfach so wie ein Tropfen auf den heißen Stein an. Weil die Bachelorarbeit würde jetzt nicht fertig, wenn ich ein Exposé schreibe.

Im Gegenteil, das Exposé hat gar nicht so viel mit der Bachelor-Arbeit am Ende zu tun, aber…

Da muss man glaube ich in seinen Zeitplänen, in Projekten immer wieder gucken, wie funktioniert es, dass ich ein Erfolgserlebnis habe, wie kann ich das zum Beispiel in Blöcke unterteilen, damit ich das Gefühl habe, ich mache Fortschritte.

Da gibt es auch super viele verschiedene Methoden, die ich jetzt nicht alle aufzählen möchte. Aber ein bisschen dem Gehirn das Dopamin zu geben innerhalb von langfristigen Projekten ist glaube ich wichtig.

Bei mir war zum Beispiel in der Bachelorarbeit keine Seiten- oder Wörterzahl, glaube ich. Ich bin mir gerade gleich sicher, ob ich eine Wörterzahl hatte. Doch es gab eine Obergrenze an Wörtern. Da hatte ich am Ende noch Probleme mit, aber es gab keine Mindestzahl oder so was. Und dadurch habe ich eben von Anfang an meine Struktur gehabt, inhaltlich, und mich daran entlanggehangelt und habe mich dann eben…

gefreut, wenn ich ein Thema wieder fertig hatte, wenn ich eine wissenschaftliche Quelle durchgelesen hatte und so was, da muss man wirklich die kleineren Steps feiern und sich darüber freuen, weil …

Das Dopamin kommt dann auch nicht so richtig, wenn man die Bachelorarbeit abgibt. Weil dann kommt noch die Abschlussprüfung. Und dann hat man immer noch nicht sein Zeugnis. Also es ist alles so… …unfertig immer. Und da muss man glaube ich immer individuell gucken, was funktioniert für einen, damit man das so bisschen… …verbessern kann einfach.

Vielleicht hat sich jetzt schon jemand gefragt, warum wir noch nicht über dieses eine große Thema gesprochen haben, über den Elefanten im Raum. Zeitgefühl und ADHS. Der Klassiker, man ist immer zu spät. Und ich kann jetzt hier verraten, ich bin eigentlich sehr selten zu spät. Es ist eigentlich eher so, dass ich überall zu früh bin. Und ich habe mittlerweile verstanden, dass das auch eine Form von Unpünktlichkeit ist.

Man sollte auch nicht immer überall zu früh sein. Aber wichtige Termine, irgendwie extern irgendwo sind, wo ich hinfahren muss oder so, das ist schon was für mich, wo ich immer zu früh bin.

Und ich weiß, dass das mit Medikamenten eine sehr andere Erfahrung für mich ist als ohne. Wenn ich nämlich keine Medikamente nehme, schaue ich zum Beispiel sehr viel auf die Uhr vom Navi. Schaffe ich es jetzt pünktlich da zu sein? Oder wenn ich im Zug sitze, gucke ich in den Navigator in der App nach, ob ich meinen Anschlusszug bekomme. Und das nicht einmal, sondern ständig.

Und dann ist es halt so, dass ich überall Pufferzeiten einplane. Also wenn ich jetzt einen Termin irgendwo habe 14 Uhr, dann versuche ich 13.45 Uhr da zu sein. Wenn ich eine halbe Stunde Fahrzeit habe, müsste ich ja dann 13.15 Uhr losfahren. Dann mache ich mich 13 Uhr fertig zum Losfahren. Und dazwischen warte ich halt einfach immer wieder bis zum nächsten Punkt.

Und mit Medikamenten ist das eine sehr andere Erfahrung, weil ich das alles nicht mache. Weil ich das besser einschätzen kann plötzlich. Ich weiß nicht so genau, wie diese Magie funktioniert. Aber ich muss dann nicht jede Minute aufs Navi gucken, ob ich wirklich pünktlich bin, sondern ich habe da eher so das Vertrauen. Das wird schon da muss ich auch nicht eine gefühlt einplanen für eine Fahrt, die eigentlich nur eine halbe Stunde dauert.

sondern das funktioniert alles ein bisschen besser.

Und dann gibt es natürlich noch das Problem von diesem Wartemodus, den auch sehr viele Menschen mit ADHS kennen, dass man vor wichtigen Terminen oder generell vor Terminen in so einen Modus kommt, wo man nichts tun kann. Weil man ständig denkt, ich kann jetzt nicht XY machen, weil ich ja diesen Termin habe heute Nachmittag. Ob dazwischen jetzt noch Stunden liegen ist erstmal egal, das kann das Gehirn da irgendwie gar nicht so verarbeiten. Sondern das…

geht immer darum …

den Termin nicht zu verpassen, nicht zu spät zu kommen im besten Und das kenne ich auch ohne Medikamente. Aber auch nicht bei allen Terminen. Also es gibt so Termine, wo ich das schon öfter mal hatte. Aber jetzt, ich sag mal Alltagtermine, wo ich gewohnt bin, wo ich die Leute kenne, wo ich weiß, wie so was abläuft, da passiert mir das eigentlich gar nicht.

Aber Warten generell ist, glaub ich, ein großes Thema bei ADHS. Ich kann gar nicht so richtig nachvollziehen, wie sich Warten für neurotypische Menschen anfühlt.

Aber wenn ich es richtig heißt warten einfach warten und nichts tun einfach einfach kurz warten. Ich kann es nicht mal erklären, weil wenn ich mit Leuten darüber spreche, dann sagen die naja, ich warte einfach kurz. Und ich denke mir, ok krass.

Weil ohne Medikamente finde ich das Warten der fast schon Folter. Also ich kann sehr schlecht warten, ich bin sehr rastlos. Ich will dann schon irgendwas tun. Also ich will eine Aufgabe, ich will eine Beschäftigung und zwar sofort. Nicht erst in 20 Sekunden, sondern jetzt. Und ich glaube, das ist so ein bisschen mit dem Thema, ich habe zwei Zustände jetzt und nicht jetzt.

vergleichen. Mal warten ist irgendwie nicht jetzt tun, aber auch nicht nicht jetzt. Das war jetzt kompliziert formuliert, aber wenn ich halt irgendwo stehe und warte zum Beispiel in einer Schlange bis ich dran dann weiß ich ja jetzt gerade bin ich nicht dran. Ich bin nicht jetzt dran, aber es passiert gleich.

Also kann ich auch nichts tun. Telefon, Warteschleifen und so was. Ganz schlimm. Das könnte ja jede Sekunde losgehen.

Das ist irgendwie komisch. Also vielleicht gibt es jemanden, der das besser formulieren kann. Vielleicht gibt es auch jemanden, der sagt warten überhaupt kein Problem und mir erklären kann, wie sich warten für andere anfühlt. Weil ich finde es sehr, spannend. Und auch das ist mit Medikamenten eine ganz andere Erfahrung. Weil auch da bin ich einfach irgendwie viel gelassener und es ist irgendwie entspannter.

Also ich kann tatsächlich dann auch 20 Sekunden warten, ohne darüber nachzudenken, dass ich gerade warten muss. Oder was ich jetzt tun will oder so. Das ist schon krass.

Ich glaube beim Autismus in Zeit habe ich noch nicht so Durchblick. Vielleicht überdeckt sich da einiges, ich bin mir nicht sicher. Generell ist es für mich so dieser Wunsch nach Routine, festen Abläufen, nach Plänen, die ich dann kenne. Wenn ich weiß, wie läuft etwas ab, dann bin ich sehr viel entspannter, als wenn ich den Plan nicht kenne.

Es ist so eine Überforderung, wenn Zeit nicht so richtig strukturiert ist. zum Beispiel bei meinem Mann ist es Also wenn ich ihn frage, hey wann machen wir irgendwas? Und er sagt dann, ja dann. Ja, machen wir dann. Das ist aber nicht spezifisch, dieses Wort. Heißt im Grunde, wir könnten das jetzt…

gleich machen, weil er nur noch kurz einen Schluck trinken will. Das könnte aber auch heißen, wir machen das innerhalb von der Woche irgendwann. Also sowieso Antworten, die finde ich nicht gut. Da komme ich nicht so gut mit klar. Genauso wie so spontane Änderungen. Also wenn zum Beispiel mein Tag jetzt sehr durchgeplant wäre und ich genau weiß, wie es der Ablauf, wann sind Termine, von welchen Terminen gehe ich in den anderen, dann

sind spontane Änderungen, zum Beispiel weil ein Termin ausfällt, irgendwie komisch für mich. Da komm ich nicht so gut mit klar. Ich kann die Zeit dann nicht so effektiv mit was anderem zum Beispiel nutzen, wie wenn von vorneherein dieser Termin einfach nicht im Kalender gewesen wäre.

Ich habe aber auch da das Gefühl, und das ist so bisschen komisch, dass es mit den Medikamenten einfacher war. Und deshalb weiß ich nicht, ob das wirklich was ist, was vom Autismus kommt oder irgendwie Vielleicht mit ADHS zusammenhängt.

Und generell glaube ich auch, dass es mir total hilft, wenn ich einen Rahmen habe, einen groben Rahmen, eine grobe Struktur und die immer gleich bleibt. Und wenn sich darin dann Sachen ändern, ist es okay.

weil ich eben trotzdem noch diesen festen Rahmen hab.

Wenn die Struktur zum Beispiel meinen Tagesablauf bestimmt und die Struktur ist immer gleich, dann hilft es mir einfach so, selbe Zeit aufzustehen, selbe Zeit ins Bett gehen und so was. Das sind ja Sachen, die auch immer empfohlen werden für den Biorhythmus.

Aber wenn ich nicht immer zur selben Zeit aufstehe oder ins Bett gehe und dann kommt plötzlich ein Termin, der einfach nicht genau meinem Schlafrhythmus entspricht, dann wird’s schwieriger.

Jetzt wir eine halbe Stunde über Zeitgefühl und Herausforderungen geredet und jetzt gibt es natürlich noch so ein paar Strategien, Tipps, was kann man ausprobieren.

Für mich ist es super hilfreich, wenn ich Zeit irgendwie auslage, wenn externe Dinge mich an Zeit erinnern. Also zum Beispiel bei Karre oder Taima zu Zum Beispiel die ich mach die irgendwann rein in die Waschmaschine und stell mir dann Wecker, damit mir der Wecker dann auch sagt, okay die Waschmaschine ist jetzt fertig.

funktioniert viel viel besser als dass ich selber dann noch mal irgendwann daran denke dass die Waschmaschine fertig ist.

Genauso kann man natürlich Apps benutzen, um Zeit zu visualisieren. Es gibt diese Forest-App, wo man Bäume wachsen lässt, während man Aufgaben erledigt. Da gibt es so viele Apps für, die kann ich jetzt gar nicht alle aufzählen.

Man kann zum Beispiel auf Videos oder Musik nutzen. Oder was ich auch super gerne mache, ist mir einen Wecker auf mein Smartwatch zu stellen, weil die dann nicht so extrem laut klingelt und ich mich eventuell erschrecke, sondern nur vibriert. Das ist für mich ein bisschen angenehmer.

Man kann zum Beispiel, wenn man jetzt hier den Podcast hört, sich überlegen, wie lange geht die Folge noch und dann gucken, wie viel schaffe ich in der Zeit. Oder man sagt, ich höre jetzt eine ganze Podcast-Folge von meinem Lieblingspodcast und in der Zeit räume ich die Wohnung auf oder staubsauger ich oder kümmere mich meine E-Mails, was auch Sodass der Zeitrahmen extern festgelegt ist.

Also ja, man kann natürlich Pause machen oder die Werbung überspringen, was auch immer. Denn noch ist es irgendwie ein externer Faktor und das hilft mir oft.

Wer jetzt aber sagt, ok das Handy ist eine zu große Ablenkung, das geht nicht. Wir können natürlich Zeit auch visualisieren, indem wir einen also einen Wecker kaufen. Eine Uhr, eine analoge Uhr, die irgendwo steht. Das muss nicht mal so ein klassischer Aufstehen, Guten Morgen Wecker sein, sondern es gibt halt auch Timer,

die man zum Beispiel auf 10 Minuten stellen kann und dann ist der Bereich der 10 Minuten auch andersfarbig. Ich glaube ich erkläre das gerade so kompliziert, ich kann da einfach mal einen Link in den Blogpost mit Falls du das nicht weißt, die Podcast-Folgen haben immer einen Blogpost, den ich dazu noch veröffentliche auf meiner Und da fasse ich nochmal die ganze Folge zusammen und Links zum Beispiel findest du dort immer.

an einem Ort quasi gesammelt. also es gibt auf jeden Fall solche Uhren, die uns da unterstützen können. Man kann natürlich auch eine Sanduhr zum Beispiel benutzen. Ich glaube, also zumindest bis zu meiner Generation und ein bisschen vielleicht selbst die nachfolgende Generation kennen Sanduhr auch für Zähneputzen. Aber es gibt natürlich verschiedene Größen von Sanduhr und so weiter.

generell beim Zeitgefühl und

Bei der inneren Uhr kann eine klare Tagesstruktur helfen. hab schon gesagt, zur selben Zeit aufstehen, selben Zeit ins Bett gehen. Ich glaub, das muss jetzt niemandem weiter erklären. Aber auch Pausen einzuplanen kann helfen. zum Beispiel eine Mittagspause immer im selben Zeitraum zu machen. Oder nachmittags eine Pause im selben Zeitraum zu haben.

Das kann helfen, weil sich der Körper ja schon irgendwie daran gewöhnt. Und dann fällt es einem vielleicht auch leichter, der Pause dann zu arbeiten oder nach der Pause wieder reinzukommen, weil man das immer wieder macht.

Ich bin großer Befürworter von Plänen. Das geht natürlich digital mit Tabellen oder Apps oder was auch immer. Man kann aber auch ganz klassisch einen Plan auf Papier machen. Natürlich auch mit Tabellen zum Beispiel. Oder aber mit Piktogrammen. Man kann seinen Tagesablauf, seine Tagesstruktur irgendwie darstellen, sodass man visuell sieht, wie die Tagesstruktur ist und nichts vergisst.

Und so dann feste Routinen etablieren. Keine Ahnung, immer 7 Uhr frühstücken. Könnte zum Beispiel jetzt in so einem Tagesablauf drinstehen.

Ich finde aber bei vor allem so Tagesstrukturen sollte immer irgendwie ein Puffer mit drin eingeplant sein und auch dass Dinge länger dauern können als man Das es am Ende nicht in Stress ausartet und ja man noch Freude hat das anzugucken und nicht der Plan an sich schon Stress auslöst.

Und ein weiterer spannender Punkt, den ich auch noch, glaube ich, mehr etablieren kann, ist Übergänge vorzubereiten. ein bisschen rauszukommen aus diesem Zum Beispiel fünf Minuten bevor man seine Mittagspause beginnt, schon mal einen Wecker auf der Smartwatch zu haben, dass man kurz weiß, okay, fünf Minuten, dann mache ich Pause.

Ich 10 Minuten oder 15 Minuten und das kann man natürlich auch machen wenn man irgendwo hin muss. Also ich muss in 10 Minuten losfahren dann sollte ich mich jetzt anziehen.

Oder, den Übergang auch zu erleichtern, Sachen vorbereiten. Also wenn man weiß, okay, ich muss morgen zur Arbeit fahren, dass man abends schon seine Klamotten hinlegt, dass man abends schon, weiß ich nicht, seine Tasche vorbereitet, was man alles braucht, sodass der Übergang von zu Hause zur Arbeit irgendwie besser funktioniert, kommt natürlich dann total darauf an, was für ein Übergang es ist und was vielleicht da die Schwierigkeit ist. Aber man kann es…

versuchen ein bisschen in dem Moment zu verbessern.

Und was auch immer eine sinnvolle Strategie ist, das Umfeld mit einbeziehen, dem Umfeld zu erklären, hey, ich habe irgendwie Probleme mit meiner Tagesstruktur oder was auch immer, sodass die einen unterstützen können. Oder auch einfach nur mal nachfragen, wie es läuft. Und dass man sich so ein bisschen den Druck von außen mit einholt, damit die Leute einem auf die Nerven gehen damit und nochmal fragen.

Ich finde das ist auch eine Form von Body Doubling, dass man eben Leuten davon erzählt und die, also nicht mal dass die den Druck aufbauen, sondern dass man dann selber den Druck hat und denkt, okay, Mist, jetzt muss ich es aber wirklich durchziehen. Kann auch funktionieren, muss aber nicht.

Das war’s zum Thema Zeitgefühl.

Ich finde es nochmal wichtig zu sagen, dass Strategien halt immer individuell sind. Es kommt auf den Tagesablauf an, es kommt auf das eigene Leben an und was gut funktioniert für einen selbst und was nicht.

Das heißt zum Beispiel, wenn jemand Interesse hat, da individuell dran zu arbeiten, wäre das was, was man im Coaching machen kann.

Das geht auch online, zum Beispiel über Zoom. Und die Infos dafür findet ihr natürlich auf meiner Webseite. Genauso wie den schon mal erwähnten Blog, wo die Links dann drin sind und nochmal alles zusammengefasst ist. Wenn dir der Podcast gefällt, dann würde ich mich sehr freuen, wenn du den Podcast folgst

Und wie immer noch der kurze Hinweis auf Kofi. ist eine Plattform, mich und den Podcast zu unterstützen. Da kann man spenden ab einem Euro.

und mir bisschen helfen, die Kosten, die ich für den Portfolio habe, wieder

Vielen Dank fürs Zuhören und wir hören uns in der nächsten Folge wieder.

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